ADHS-Diagnosen zu ungenau?

Mediziner warnen davor, Kinder zu schnell als ADHS-krank einzustufen. Nach Meinung von Experten wird die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) viel zu oft und vorschnell diagnostiziert und medikamentös behandelt. Von 2006 bis 2011 stieg die Zahl der ADHS-Diagnosen bei Kindern und Jugendlichen um 42, von 2,92 auf 4,12 Prozent. Auffällig ist die Häufung bei Kindern, die nach 2000 geboren wurden. Fast 20 Prozent aller Jungen bis 12 Jahren, werden inzwischen wegen einer vermuteten ADHS behandelt. Trotz der sicher vorhandenen höheren psychischen Belastung, der Kinder in unserer modernen, schnelllebigen Welt ausgesetzt sind, ist ein so hoher Anstieg der Erkrankung eher unwahrscheinlich. Dafür spricht auch, dass ein auffällig großer Teil der Diagnosen am Ende des Grundschulalters gestellt wird, wenn die Entscheidung über die weiterführenden Schulen fallen. Sicher sind Kinder oft zappelig, laut und unkonzentriert. Das ist aber größtenteils vollkommen normal. Im Gegensatz zu früher fällt es heute nur mehr auf, da immer weniger Kindgerechte Räume zur Verfügung stehen. Konnten Kinder bis in die siebziger, achtziger Jahre hinein, noch auf Straßen, Brachland und in Höfen spielen, findet inzwischen das Kinderleben fast komplett innerhalb der Erwachsenenwelt statt, in dass sie sich integrieren sollen. Das jedoch ist vielen Kindern nicht möglich und es ist fraglich, ob eine solche frühe Unterordnung überhaupt sinnvoll für die gesunde Entwicklung ist.

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